DLF: Forschung
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Sönke Gäthke

Deutschlandfunk DLF

Titel: Kollege Computer therapiert

Sendung: Forschung am Morgen

Redakteur: Ralf Krauter

Zwei Prozent der Bevölkerung leiten an Zwangserkrankungen, die Dunkelziffer ist noch viel größer. Patienten haben Angst, als verrückt zu gelten. Zwang immer wieder zu kontrollieren, ob der Herd ausgeschaltet ist oder sich immer wieder zu waschen. Medikamente helfen nur in kurzfristig - auf Dauer kann nur eine Verhaltenstherapie im Patienten helfen, den Zwang loszuwerden. Regelmäßige Übungen sind erforderlich - dafür gibt das seit neuestem Unterstützung durch den Computer.

Die Therapeuten gehen auf zwei weißen gegen Zwangskrankheiten vor. Zum einen indirekt: im Gespräch suchen Sie den Grund für diese Gefühlsstörung, zum anderen aber auch direkt, durch handlungsorientierte Verhaltenstherapie. Dabei muss der Patient jeden Tag üben, dem Kontrollzwang zu widerstehen, um so immer weniger Zeit für die Kontrolle von Schlössern, Wasserhähen, Lichtschalter oder dem Elektroherd zu benötigen. Bei einer stationären Behandlung ist das kein Problem, in der Klinik begleitenden Co-Therapeuten die Routine-Übungen. Lebt der Patient aber zu Hause, ist der sich selbst überlassen. Und hier setzt Dr. Christoph Wölk, Psychotherapeut und wissenschaftlicher Angestellter an der Universität Osnabrück, einen Computer als virtuellen Co-Therapeuten ein.

Christoph Wölk: "Es gibt aber große Gruppe von Patienten, bei denen, wenn sie Zuhause ohne therapeutische Begleitung alleingelassen sind, das Ganze nichtmehr funktioniert. Die kommen dann das nächste Mal in die Therapiestunde und sagen: Mir geht es so schlecht, ich habes wieder nicht geschafft. Und da haben wir die Erfahrung gemacht, dass, wenn wir solchen unter Zwangstörungen Leidenden Menschen diesen "verlängerten Arm des Therapeuten", das Anti-Zwangs-Training mit nach Hause geben, sie sich stärker füllen, weil sie sind nicht mehr alleine mit ihrer Situation".

Dr. Christoph Wölk, hat gemeinsam mit dem Softwareingenieur Andreas Seebeck dieses Computerprogramm zur Behandlung von Zwangstörungen entworfenen und ihm eine Kunstperson gegeben: Brainy.

Originalton Brainy: "Herzlich willkomme zum Training gegen den Zwang. Mit jedem Üben wird es Ihnen ein wenig leichter fallen. Womit wollen sie heute beginnen?"

"Brainy" ist ein reines Kunstgesicht, fast wie aus der Sesamstraße: ein kugelförmiger Kopf mit Haut wie aus Leder schwebt er mitten im Bildschirm. Er hat keine Nase, aber dafür riesige Augen, und kann seine Farbe zwischen Blau, rot und Grünen wechseln.

Brainy: "Ich möchte Ihnen dabei helfen, die Zeit, die sie für diese Tätigkeit benötigen, immer kürzer werden zulassen".

Eine Anti-Zwang Übungen ist einfach: Muss der Patient z. B. seinen Herd immer wieder kontrollieren, um zu prüfen, ob er abgeschaltet ist, schaltet er jetzt seinen Herd ein und sofort wieder aus. Aber anschließend darf er ihnen nur kurz kontrollieren, so kurz wie möglich. Auf diese Weise solle er lernen, das mit den Zwang verbundene Angstgefühl auszuhalten. Mit der Zeit verschwindet der Zwang dann. Das Anti-Zwangs-Training hat nun die Aufgabe die Zeit zu überwachen, die der Patient für seine Übungen benötigt. Zu Beginn setzt er sein Limit am Rechner fest, dann startet er das Programm.

Wölk: ".. und der Computer zählt dann die Zeit mit, während der Patient die Handlung ausführt, und macht ihn dann darauf aufmerksam, wenn die Zeit abgelaufen ist,

Brainy: "Die Zeit, die sie für die Tätigkeit vorgesehen haben, ist um. Bitte nehmen Sie die Eingabe am Computer vor".

Wölk: "Es besteht begründete Hoffnung, dass diese von außen kommende Aufforderung, der unter Zwängen Leidenden aus seiner "Trance" mit der er vor dem Herd steht, herauszuziehen vermag und ihn zum Computer gehen lässt".

Brainy: "Die Zeit ist überschritten. Bitte beenden Sie, was die Grade tun, und gehen zum Computer".

Wölk: "Wenn das noch nicht gelingt, geht Brainy, unser virtueller Co-Therapeut, alle zehn Sekunden hin und erinnert ihn wieder daran ... "

Brainy: "Stohop! Bitte Ende eingeben".

Wölk: "... solange, bis er tatsächlich in die Ende-Taste betätigt".

Brainy: "Gut, dass es Ihnen jetzt gelungen ist, ihre Tätigkeit zu beenden. Auch wenn Sie diesmal nicht die dafür geplante Zeit eingehalten haben, lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen. Versuchen Sie es noch einmal bei nächster Gelegenheit. Jetzt, wo sie die Handlung beendet haben, nehmen Sie sich bitte noch ein wenig Zeit, um zu beobachten, wie die sich durch die Übungen entstandene Aufregung und Entspannung ganz von selbst wieder legt. Sobald dies der Fall ist, betätigen Sie bitte die Leertaste".

Wichtig ist dabei, dass sich diese Anspannung von selbst legt, denn erst wenn sich der Patient wieder beruhigt hat, ist auch der Kontrollzwang für diesmal abgeklungen.

Der Computer speichert anschließend sowohl die Zeit, die der Patient für die Übung gebraucht hat, als auch die Zeit, die er zum sich beruhigen benötigte. Die Protokolle kann der Patient nicht verändern aber jederzeit als Grafik ansehen.

Wölk: "Das ist für die Motivation des Patienten ausgesprochen förderlicht, wenn er sieht, dass da ein positiver Trend in seinen Übungsergebnissen ist. Denn häufig zieht der Patient nur das was gestern war als Vergleich heran und vergisst, dass selbst ein ungünstiges Ergebnis in Relationen zu den Leistungen des Vortrages gegenüber den Stand der Dinge vor sechs Wochen ein riesen Fortschritt war".

Und der Therapeuten kann überprüfen, wieweit der Heilungsprozess voran gestritten ist. Die ersten Erfahrungen des Psychologen von der Universität Osnabrück sind ermutigend. Die Patienten akzeptierende Brainy regelrecht nach einiger Zeit als Code Therapeut; die Zeit für die Anti-Zwangs-Übungen ließen sich relativ schnell senken.

Peters Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaftszwangserkrankungen und selbst Betroffene hält dieses Programm für eine sinnvolle Unterstützung von Therapien.

Antonia Peters: "Ich finde das Anti-Zwangs-Training gut und denke, dass diese Computertherapie dazu beitragen kann, mich wieder aufmerksam zu machen, wenn mich dieser Zwang oder dieser Druck den Zwang ausführen zu wollen, wieder überfällt, und er kann mir helfen, mir wieder bewusst zumachen, was ich da tun".

 

 

 

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