| Viele Kinder haben
aufgrund ineffektiver Arbeitstechniken Schwierigkeiten, ihre
Hausaufgaben zu erledigen. Zu den häufigsten Problemen gehören
hierbei:
mangelnde Organisation, Vor-sich-her-Schieben, zuviel Ablenkung und
fehlende Motivation. Der Stressfaktor ist dabei nicht der
Lernstoff selbst, sondern die Art und Weise, wie das Kind an die
Aufgaben herangeht.
Der Diplom-Psychologe Dr. Christoph Wölk von der Universität
Osnabrück und der Software-Entwickler und Spiele-Erfinder Andreas
Seebeck haben jetzt ein computergestütztes Trainingssystem
entwickelt, durch das Kinder Verhaltensweisen erlernen können, die für das
erfolgreiche Bewältigen der Hausaufgaben erforderlich sind.
Das Computerprogramm gibt jedoch nicht nur strategische Tipps zum optimalen Hausaufgabenmachen und trainiert diese mit dem Kind, sondern bietet außerdem auch Entspannungsübungen und Fantasiereisen an, um Unruhe und Nervosität zu reduzieren. Und kommt es einmal zu einem Motivationstief, muntert der virtuelle Freund
"Brainy", ein durch Computeranimation realisiertes Comic-Wesen, das Kind mit einem Mutspruch wieder auf.

Brainy ist bereit
Nach Ansicht der Entwickler besteht der wichtigste Teil des Hausaufgaben-Coaches jedoch darin, dass, nachdem die Schulaufgaben fertig sind, Brainy das Kind fragt, wie gut es diesmal mit dem Hausaufgabenmachen zurecht gekommen ist. Hierzu müssen von ihm fünf Fragen beantwortet werden. Diese klingen zum Beispiel so: "Hast Du Dir vorher alles zurechtgelegt, was Du für die Aufgaben gebraucht hast?“ oder „ Hast du, wenn es schwieriger wurde, trotzdem weitergemacht?“ Nachdem das Kind diese fünf Fragen beantwortet hat, werden der Mutter oder dem Vater die gleichen Fragen gestellt. Nur dann, wenn die Antworten von Eltern und Kind bei der jeweiligen Frage übereinstimmen, werden für diese Punkte gutgeschrieben. Hat das Kind genügend Punkte angespart, kann es sich eine der vorher gemeinsam mit den Eltern zusammen festgelegten Belohnungen abrufen. Hierzu lässt sich ein entsprechender Gutschein ausdrucken, der dann bei den Eltern eingelöst werden kann. Eine solche Belohnung könnten z.B. ein Briefchen mit Sammelbilder sein oder, wenn das Kind mehr Punkte „angespart“, hat ein Gang in den Zoo.

Unabhängig davon, wie viele Punkte es für sein Hausaufgabenmachen bekommen hat, kann sich das Kind als Belohnung für die Zusammenarbeit mit Brainy anschließend noch mit einigen kindgerechten PC-Spielen vergnügen. Diese Spiele trainieren Fertigkeiten, die besonders beim Vorliegen einer AD(H)S-Störung (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom) gefördert werden sollten.
Bisherige Erfahrungen mit dem Programm haben ergeben, dass es von Schulkindern des zweiten bis sechsten Schuljahres sehr gut angenommen wird. Auch hat sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit von Kindern und Eltern bei der Überwindung von Problemen durch die Anwendung des Programms, gefördert wird. Zu dieser Zusammenarbeit trägt zusätzlich bei, wenn die Eltern öfters mal eine der drei in dem Programm integrierten Fantasiereisen mit ihrem Kind zusammen unternehmen.

Zur Zeit befindet sich eine Studie in Vorbereitung, in der die pädagogisch-therapeutische Wirksamkeit des Hausaufgaben-Coaches systematisch untersucht wird.
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